| Mitte März 2006 wurde sie geliefert, meine
kurz vor Weihnachten - nach Hornbys Ankündigung, die Marke Lima
wieder aufleben zu lassen - vorbestellte ML2200 C'C'.
Die Lok wird im blauen Lima-Karton mit
Sichtfenster und Styropor-Einsatz geliefert, und liegt in eine
Folie gebettet. Der erste Eindruck beim Auspacken ist durchaus
hochwertig. Die schöne seidenmatte
Lackierung mag gefallen:
Der dunkelblaue Lack steht der Maschine gut, ebenso der schwarze
Rahmen (beim früheren Modell zu Lima-Zeiten war dieser hellgrau
lackiert). Das Dach ist hellgrau abgesetzt, die
Kontrastlackierung in Höhe der Fenster dagegen in
Metallic-Silber, wobei die charakteristische, an den Fronten zum
"V" zusammengeführte Zierlinie an der Trennkante zum Dunkelblau
in einem etwas helleren Silber schimmert als die sonstige obere
Gehäusebereich. Der "KRAUSS-MAFFEI A.G."-Schriftzug ist nicht
erhaben ausgeführt, sondern aufgedruckt.
Auf den ersten Blick stören die plastikhaften
hellgrauen Drehgestelle, die aber in dieser Farbe vorbildgerecht
sind, und die blitzblanken Räder. Brüniert hätten diese
vielleicht besser gewirkt. Schön sind
die vier recht plastisch wirkenden Lüfterräder im Dach
nachgebildet. Auch die eingesteckten Scheibenwischer haben ihren
Reiz, wirken nicht wirklich zu klobig. Durch die Abgaslöcher im
Dach kann man ins Innere der Lok blicken, man sieht aber durch
die schwarze Auskleidung nichts (das war bei früheren Versionen
anders). Nicht mehr zeitgemäß sind die
angespritzten Griffstangen, aber man hat bei Hornby das Gehäuse
der letzten Lima-Version dieser Lokomotive wohl nicht
überarbeitet. Eine entsprechende Lok aus alter Lima-Produktion
liegt mir zum direkten Vergleich allerdings nicht vor.
Die Lok besitzt wie das Vorbild sechs Achsen. Die
äußeren beiden Achsen des Drehgestells ohne Schleifer sind dabei
angetrieben (eine Achse davon einseitig mit Haftreifen). Die
mittleren Achsen laufen nur mit und sind seitenverschiebbar
eingebaut. Warum auch am antriebslosen Schleiferdrehgestell ein
Haftreifen ist? Wer weiß? Zum Einsatz kommt weiterhin ein
konventioneller Schleifer mit Schraubloch.
Nur an einem der Drehgestelle ist ein
Kupplungsnormschacht angespritzt. Am anderen Drehgestell ist
keine Kupplung vorgesehen. Statt dessen ist die auf der einen
Seite für die (ebenfalls hellgraue) Bügelkupplung durchbrochene
Frontschürze auf der anderen Seite durch eine Blende
verschlossen. Auch sind Bremsschlauchattrappen eingesteckt. Für
die Kupplungsseite sind entsprechende Teile zum Verschließen der
Frontschürze sowie die Schlauchatrappen in einem Zurüstbeutel
beigelegt. Der beiliegende Zettel darf
als ungenügend bezeichnet werden. Kein Hinweis auf einen/den
eingebauten Decoder, weshalb sich erste Zweifel über die
Ausstattung breit machen.
Außerdem werden nur einige "Sicherheitshinweise" aufgeführt und
die "Betriebs- und Wartungsanleitung" kann man getrost als Witz
bezeichnen. Der erste Fahrtest
meiner Neuerwerbung verlief leider nicht zufriedenstellend:
Auf das Gleis gesetzt raste die Lok unkontrollierbar los. Erst
nach einmaligem Fahren im Analogkreis fährt die Lok auch
digital. Die Lok läßt sich im
Analogbetrieb durchaus gut regeln. Schnelles Beschleunigen führt
aber zu starkem Schleudern. Die Höchstgeschwindigkeit der Lok
ist viel zu hoch und der Brocken droht aus den Kurven
herauszufliegen. Die Beleuchtung durch weiße LEDs mit deutlichem
Blaustich ist etwas gewöhnungsbedürftig. Das Umschalten erfolgt
durch den Decoder lautlos. Im
Digitalbetrieb reagiert die Lok auf Adresse 3. Hier war mangels
Decoder-Beschreibung Probieren angesagt. Inzwischen wurde vom
Importeur Lemke bestätigt, daß ein ESU LokPilot V2.0 eingesetzt
wird - ohne weitere, besonders auf die Lok abgestimmte
Parameter.
Das digitale Fahrverhalten:
Die Lok setzt sich mit leicht knurrendem Motor sehr langsam bei
Fahrstufe 1 in Bewegung. Sie beschleunigt recht langsam und
gleichmäßig, zeitweise aber etwas ruckelig auf die sehr hohe
Höchstgeschwindigkeit. Auch bei mittlerem Tempo wirkt das
Fahrverhalten etwas ruckelig. Der weiße
(blaue) Lichtwechsel ist nur für die unteren Lampen realisiert.
Für das dritte Spitzenlicht war eine neue Platine scheinbar zu
aufwendig. Man baut statt dessen darauf, den Lichtleiter, der
auch die Frontscheiben beinhaltet, für das dritte Spitzenlicht
zu benutzen. Es kommt oberhalb der Kanzel aber so gut wie kein
Licht an. Rote Schlußbeleuchtung gibt es nicht.
Mit etwas veränderten Werten fährt sich die Lok
etwas schöner. Kaum noch Ruckeln, aber immer noch deutliche
Probleme und Schleudern auf Bogenweichen.
Meine eingestellten Werte:
CV1 (Adresse) = 30
CV3 (Beschl.) = 07
CV4 (Verzög.) = 06
CV5 (V-max) = 35
CV6 (V-mittel)= 16
CV53(Lastreg.)= 56
CV54(Lastreg.)= 20
CV55(Lastreg.)= 24 Die Fahrtests zeigen
auch, daß die V300 bei Langsamfahrt in R1-Kurven etwas langsamer
wird. Möglicherweise reicht hier das Seitenspiel der
Mittelachsen nicht. Normalweichen machen nur selten Probleme.
Schlanke Weichen habe ich (z.Zt. noch) nicht.
Erstes Fazit:
Den früher gern benutzte Spruch "Außen prima, innen Lima" kann
man so nicht mehr stehen lassen. Da das Modell einen neuen Motor
mit zwei Schwungmassen hat, außerdem einen NEM-Decoderschacht
und LED-Beleuchtung, kann man sagen, dass das Modell
einigermaßen auf den aktuellen Stand gebracht wurde.
Die Lackierung ist einwandfrei, die Beschriftung
klein, scharf und gut lesbar. Gewöhnungsbedürftig ist der
deutliche Blaustich der LEDs sowie das Zweilicht-Signal. Auch
das Fahrverhalten ist nicht so recht "up-to-date", zeigt es doch
immer noch deutliche Lima-Schwächen. Der
serienmäßige Decoder ESU LokPilot V2.0 ist mit den eingestellten
Standardwerten nicht optimal für die Lok. Hier muß ich bei Zeit
und Gelegenheit noch mal mit den CVs experimentieren. Das
Fahrverhalten konnte mit leicht geänderten Werten für die
Lastregelung aber schon verbessert werden.
Die Lok hat mich durch Vorbestellung inkl.
Versand ca. 107,- € gekostet. Für diesen Preis kann man sich ein
solches Experiment schon mal erlauben. Die ca. 170,- €, für die
ich das Modell in einer Internet-Preisliste schon gesehen habe,
sind für ein schönes und ausgefallenes Modell mit deutlichen
Fahrschwächen aber eindeutig zuviel.
Hendrik Albrecht
Löhne, der 20.März 2006 |